Award Award

Liebe Tina, 

Gern beantworte ich deine Fragen. Ich hoffe, dass viele deine Fragen beantworten, schließlich ist ein steiniger Kinderwunschweg immer noch ein Tabu Thema.

Wirst Du Deinen Kinderwunsch-Blog weiterführen? Und könnte es jemals ein ‚normaler‘ Mami-Blog werden?

Ich muss ja gestehen, dass ich sowieso eher sporadisch Blogbeiträge verfasse. Ich habe meinen Blog nie als reinen Kinderwunsch Blog gesehen, eher so ein Misch Masch aus Kinderwunsch, Mama Dasein und alltägliches.

2 Glaubst Du, dass Ex-Kinderwunscheltern ihre Kinder besonders lieben?

Die Frage habe ich mir oft gestellt.  Es ist ja so: die Eltern, die einen steinigen Weg zu einem Kind gehabt haben, müssten ihr Kid ja viel mehr lieben, weil es ihnen eben nicht so einfach in die Hände gefallen ist. Ich muss sagen, nein, ich sehe da keinen Unterschied zu „normalen“ Eltern. Auch ich werde an meine Grenze der Geduld gebracht, wenn mein Junior aufgrund seiner Trotzphase mich in den Wahnsinn treibt. Aber was ich auf jeden Fall geworden bin: dankbar und demütig.

3 … besonders besorgte Eltern sind?

Wir waren es bei unserem Junior. Der ist unter einer absoluten Käseglocke aufgewachsen, bloß keine Schramme oder Beule an das Kind. Die Ermahnung „Pass auf!“ war unser regelmässiger Wegbegleiter. Auch mit dem Abgeben an die Eltern/Schwiegereltern haben wir uns sehr schwer getan. Erst, als er mit einem Jahr in die Krippe kam, wurde es besser. Und das war absolut gut und heilsam für uns, aber speziell für Junior. Bei unserem zweiten Kind sind wir wesentlich entspannter.

4 … sich in irgendeiner anderen Weise von anderen Eltern unterscheiden?

Ich glaube, wir sind sensibler. Meine Arbeitskollegin z.B.,  seit 5 Jahren mit ihrem Mann verheiratet und noch keine Kinder. Der Kollegenkreis stellt schon Wetten, wann sie denn wohl mal loslegt. Ich habe mich da immer zurückgehalten, vielleicht hat sie ja auch einen steinigen Kinderwunschweg???

5 Ist der Schmerz über den unerfüllten Kinderwunsch noch da? Und wenn ja, wie hat er sich verändert?

Schmerzlich ist es „nur“ noch zu den gefährlichen Daten wie Entbindungstag, der Tag, an denen kein Herzschlag mehr festgestellt wurde. An solchen Tagen fliessen dann doch noch ein paar Tränen. Ansonsten ist es eher tief drinnen, ein dumpfes Pochen und die Erkenntnis, dass man eigentlich schon 5fach Mami wäre. Aber die Fragen, warum die 3 Seelen nicht zu mir wollten/konnten, die bleiben…

6 Hast Du Dich durch die Kinderwunschzeit verändert? Eher zum Guten oder eher zum Schlechten?

Puh, ich war vor dem Kinderwunschweg ein lebensfroher Mensch, gut gelaunt, immer ein Lächeln auf den Lippen. Das Leben konnte mir nichts anhaben. Nach der ersten Fehlgeburt in 2010 hat sich das radikal geändert. Ich bin ernsthafter, sensibler und weinerlicher geworden. Dinge, die mir nun im Alltag passieren, werfen mich schneller aus der Bahn. Aber keine Angst: ich lache immer noch gern und viel.

7 Was hättest Du mit Deinem Leben getan, wenn Du am Ende kein Kind bekommen hättest?

Wir haben tatsächlich nach der 3. FG einen Plan B aufgesetzt. Da wir beide passionierte Reiter sind, hätten wir einen Resthof gekauft und hätten eine Pferdepension eröffnet.  

8 Hast Du Freundschaften durch die Kinderwunschzeit verloren?

Ja, einige…Für viele war es unverständlich, dass man so intensiv um ein Kind trauern kann, was noch nie das Licht der Welt erblickt hat.

9 Gibt es etwas, das Dich am Umgang mit dem unerfüllten Kinderwunsch immer noch nervt, obwohl es Dich nicht mehr betrifft?

Es sind diese Phrasen und gut gemeinten Ratschläge ala „nun entspannt euch doch mal“, „fahrt mal in den Urlaub“ und total blöd „ihr seid noch jung“

10 [Achtung: Rhetorische Frage] Hat sich der Weg gelohnt?

Ja, definitiv. Auch wenn 2010 bis 2013 mit viel Traurigkeit überschattet war, die Geburt meines Juniors in 2014 und meines little Juniors vor 12 Wochen haben alles wettgemacht. 

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eine würdevolle Geburt?

Nachdem gestern schon ein trauriger Tag für mich war, trifft mich heute die Nachricht einer Freundin mitten in die Magengrube. Vor einer Woche hatte sie erfahren, dass ihr Kleines nicht mehr lebt, in der 18. SSW war auf einmal alles vorbei. Am Montag hat sie ihr Kleines still auf die Welt gebracht. Aber sie hat mir am Telefon erzählt, wie würdevoll die „besondere“ Geburt durchgeführt wurde. Während der ganzen Geburt stand ihr eine Hebamme zur Seite, anschließend war eine Fotografin im Kreissaal und hat Fotos von ihrer Kleinen gemacht. Sogar ein klitzekleiner Fußabdruck wurde gemacht. Und…was sie total gerührt hat: Es gibt wohl eine Initiative, die Frühchen- und Sternchenklamotten nähen/stricken, ihr Kleines wurde nicht in einer Nierenschale aufbewahrt, sondern bekam ein gestricktes Körbchen und eine gestrickte Einschlagdecke.

Ich musste so sehr mit ihr weinen, sie weinte um ihren Verlust und ich weinte, weil ich mich vor 6 Jahren nicht würdevoll von meiner Raupe verabschieden konnte. Bei mir ging es damals alles so schnell, kaum wurde festgestellt, dass meine Raupe nicht mehr lebt, musste ich auch schon am nächsten Tag ins Krankenhaus zur Einleitung. Erst viel später wurde mir bewusst, dass ich auch auf die Bremse hätte treten können und mich bewusst von meiner Raupe hätte verabschieden können. Aber ich war damals einfach wie in Trance und ließ alles mit mir geschehen.

Die Einleitung begann und schon bald machte sich ein Druck im Unterleib bemerkbar. Aber keiner glaubte mir, eine Einleitung würde in der Regel 1-2 Tage dauern. Sprachs und ich bekam noch eine Tablette an den Muttermund. Der Druck wurde stärker, auf einmal merkte ich, wie etwas aus mir herauslief. Panisch klingelte ich nach einer Schwester. Sie guckte nach und sagte: „Da ist nix“ und ging wieder. Ich rief meinen Mann an, er solle doch bitte kommen. Kaum aufgelegt wurde der Druck so stark und ich merkte, wie etwas aus mir hinausglitt. Ich wusste instinktiv, das ist sie, das ist meine Raupe. Ich klingelte wieder nach einer Schwester, die dann leicht genervt erschien. Sie schaute nach, wurde blass und stammelte: „Ich hole den Arzt“. Ich bekam also meine Raupe in einem Einzelzimmer auf der gynäkologischen Station, völlig allein und ohne Hilfe. Mein Mann traf ein, ebenso völlig überfordert mit dem Bild und der Situation, die sich ihm da bot. Auf meine Frage, ob ich mir meine Raupe anschauen konnte, erntete ich nur den ungläubigen Blick des Arztes „Das wollen sie sich doch nicht antun, außerdem müssen sie gleich zur Ausschabung, solange der Muttermund noch auf ist“. Ich bestand jedoch darauf, bekam sie in einer Nierenschale überreicht und ich schaute sie mir an, ganz genau und immer wieder. Leider existieren keine Bilder von ihr und ich merke, dass jetzt nach 6 Jahren die Erinnerungen verblassen. Ein Bild wäre der Beweis dafür gewesen, dass sie da war, wenn auch nur kurz.

Wenn ich jetzt das Telefonat mit meiner Freundin resümiere, merke ich, wie ich wütend werde. Ich fühle mich betrogen, betrogen um eine würdevolle Geburt. Auch wenn meine Raupe nur 16 Wochen alt war, aber sie war 16 Wochen unter meinem Herzen, geschützt und geborgen in meinem Mutterleib. Ist es deswegen nicht besonders erstrebenswert, die Geburt für die Mutter so leicht wie möglich zu machen? Sie wird nicht für die Strapazen der Geburt mit einem Schrei des Kindes belohnt, sie wird nur wenig Zeit haben, sich von ihrem Baby zu verabschieden. Da sind Erinnerungen ein Rettungsanker, Bilder, Fußabdrücke, eine verständnisvolle Hebamme und so vieles mehr. Ich glaube, da müssen Krankenhäuser noch viel lernen!

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Award Award Award

Vor ewig langer Zeit wurde ich von der lieben Wolke für den „Liebster Award – discover new blogs“ nominiert. Herzlichen Dank dafür! Ich bin zufällig über den Blog der lieben Wolke gestolpert, die als Alleinerziehende über das Zusammenleben mit ihrem 3 jährigen Wesen schreibt, vielmehr eher philosophiert. Sie schlägt manchmal ernste Töne an, regt zum Nachdenken an, aber meist ist der Blog einfach nur humorvoll. So humorvoll, dass ich zu gern mal Mäuschen in der Küche von der lieben Wolke und deren Wesen spielen möchte. Ich lese ihre Blogbeiträge zu gern und hoffe, dass noch viele folgen. Sorry für die verspätete Beantwortung der Fragen, aber seitdem zwei Racker durch mein Leben toben, müssen sich die Prioritäten erst einmal verschieben.

Auf geht’s zu den Fragen!

  1. Worüber kannst du lachen?

Ich lache total gern. Wenn ich lache, so dass es auf dem ganz tiefen Inneren kommt, dann laufen mir Tränen die Wange herunter und ich bekomme einen Lachflash, der so schnell nicht wieder weggeht. Mein Mann sagt immer, ich sehe immer aus, als ob ich total heulen würde, wenn da nicht die lachtypischen Geräusche wären. WORÜBER ich lachen kann…eigene Missgeschicke, Kindermund meines Juniors (zusammen darüber lachen ist das beste, das schönste) und ja Schadenfreude, ich mochte damals unheimlich gern Pleiten, Pech und Pannen schauen. Überhaupt finde ich, dass zu wenig gelacht wird. Das Leben ist doch schon ernst genug, da wird man doch wohl mal lachen dürfen.

  1. Worauf möchtest du nie verzichten?

Seitdem ich zwei Kinder habe, ist mir morgens meine halbe Stunde Ruhe im Badezimmer, bevor Kinder und Mann wach werden, absolut heilig. Ich mag auch nicht mehr auf das Zubettbringen meines Juniors verzichten, die letzten Minuten vor seinem Einschlafen, die wir kuschelnd verbringen, in denen ich sein Gesicht betrachten kann, in denen sein Atem mein Gesicht streift, in denen er mein Ärmel voller Hingabe zupft…nein, darauf möchte ich nicht verzichten.

  1. Was ist deine schönste Erinnerung, bevor du Mama wurdest?

Ich war passionierte Reiterin und hatte ein eigenes Pferd. Ich habe damals in Sankt Peter Ording (für Ortsunkundige, nahe des Wattenmeers in der Nordsee) einen Reitausflug gemacht. Ich habe mir im Galopp die salzige Meeresluft um die Nase wehen lassen, es herrschte grad Ebbe und es war eine unendliche Weite vor mir. Es war ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Es war einfach grandios!

  1. Was ist deine schönste Erinnerung, nachdem du Mama wurdest?

Oh, das ist schwer, da gibt es sehr viele schöne Erinnerungen (was nicht heißen soll, dass ich vor dem Mama-Dasein keine schönen Erinnerungen habe). Aber ich glaube, es war der Zeitpunkt an dem Junior seine ersten Schritte machte. Er tat sich etwas schwer damit, laufen zu lernen. Aber als es zum ersten Mal klappte, hatte er einen so einprägsamen Gesichtsausdruck, es war zwischen Überraschung, Stolz und Triumpf. Ich hätte den Gesichtsausdruck so gern mit der Kamera eingefangen, aber wie so viele Momente, ging dieser Moment viel zu schnell vorbei.

  1. Was bedeutet das Bloggen für dich?

Ich muss gestehen, ich mag lieber Blogs lesen als selbst zu schreiben. Ich mag eigentlich gern schreiben, aber seitdem ich Zweifach-Mama bin, bin ich vollauf damit beschäftigt, den Alltag mit den beiden zu meistern. Und…Bloggen ist für mich eine Freizeitbeschäftigung, keine Lebensnotwendigkeit.

  1. Wann hast du Zeit fürs Bloggen oder andere Blogs zu lesen?

Die Zeit ist stark eingeschränkt. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, dass ich nachmittags (fast) gar nicht mehr aufs Handy schaue, diese Zeit gehört dem Junior und dem little Junior. Es bleibt nur noch die Mittagszeit, wo (hoffentlich) beide Racker schlafen oder eben die Abendstunden.

  1. Hast du durch das Bloggen etwas über dich gelernt?

Hm, indirekt. Ich habe eingangs in meinem Blog über meine 3 Fehlgeburten geschrieben, für mich war es eine Zeitreise 6 Jahre zurück. Es sind viele Tränen geflossen, vielleicht war es auch eine Art Therapie/Trauerbewältigung für mich? Durch meine Erfahrungen „folge“ ich vielen Frauen, die eine steinige Kinderwunschzeit durchleben oder hinter sich haben, ihre Schicksale machen mich betroffen. Und ich freue mich über jede Frau, die nach den schlimmen Erfahrungen ein Kind im Arm halten darf.

  1. Was macht für dich einen guten Blog aus?

Das ist schwer zu beantworten. Die Blogs, denen ich folge, sind so grundverschieden. Ich denke, das Grundthema eines Blogs (nennt man das Plot?) muss stimmig sein und mich ansprechen. Eine Prise Humor, eine Prise Ernsthaftigkeit und schwups ich gehöre zu den „Followern“.

  1. Was nervt dich an anderen Müttern/Eltern?

Ach…eine unendliche Geschichte. Ich finde es blöd, dass zwischen Müttern teilweise ein Krieg ala „mein Kind kann dies, jenes viel besser“, Haushalt? „Das wuppe ich mit links“ geführt wird. Mal ehrlich, wenn man hinter etliche Fassaden von schmucken Einfamilienhäusern schauen würde (heimlich natürlich), da würden einige Muttis aber die Hosen runter lassen müssen, und zwar ganz gewaltig. Wir wissen doch alle, dass ein Leben mit einem (oder mehreren) Kind (Kindern) schön, aber auch verdammt anstrengend sein kann. Da sollten die Muttis doch lieber solidarisch zusammenhalten, anstatt sich zu bekriegen. Und mit so typischen Diskussionen wie Impfen, Beikoststart, Stoffwindeln ja oder nein? Etc. fange ich gar nicht erst an. Das soll doch jeder halten wie er mag!

  1. Was bewunderst du an anderen Müttern/Eltern?

Hm, eigentlich bewundere ich keine anderen Mütter/Eltern. Doch! Ein befreundetes Ehepaar ist taubstumm und sie haben vor kurzem ihre zweite Tochter bekommen. Wie sie ihre Behinderung völlig problemlos in den Alltag mit ihren zwei Kindern, die im Übrigen ganz normal hören, integrieren, ja…das bewundere ich.

Im Hinblick auf die stressige Vorweihnachtszeit nominiere ich keinen Blog. Ich habe mir trotzdem ein paar Fragen ausgedacht, vielleicht hat der ein oder andere ja Lust und Zeit, diese zu beantworten?

Welche Vorsätze habt ihr für das neue Jahr?

Kaffee oder Tee?

Auto oder Fahrrad?

Meer oder Berge?

 

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Die Regeln für alle „Liebster-Award“-Neulinge sind folgende:

Der Liebster Award ist eine Blogartikelserie, in der sich Blogger gegenseitig Fragen stellen und weitere Blogs mit neuen Fragen nominieren. Das Ziel ist die Vernetzung untereinander und die Leser können so mehr über den Blogger und seine Beweggründe erfahren.

– Verlinke die Person, die dich nominiert hat
– Beantworte die 10 Fragen die dir gestellt wurden
– Nominiere 5 Blogs (oder weniger), die weniger als 200 Follower haben und mach sie darauf aufmerksam, dass du sie nominiert hast
– Erstelle 10 (eigene) Fragen für die Nominierten

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Ich denke an dich, heute ganz besonders

Heute ist es wieder soweit, der 15.12. ist da, mein persönlicher Freitag der 13.

Vor genau 6 Jahren um 17:34 erfuhr ich, dass du, meine liebe Raupe, dich heimlich auf den Weg zu den Sternen gemacht hast. Ab dem 15.12.2010 begannen meine schlimmsten 3 Jahre, denn es blieb nicht nur bei dir, meine Raupe. Leider musste ich diesen schrecklichen Satz „es tut mir leid, Frau K., aber ich kann keine Herzaktivität mehr sehen.“ noch zweimal ertragen. Wenn ich heute auf meine zwei Buben blicke, bin ich voller Demut und Dankbarkeit, dass sich am Ende doch alles zum Guten gewendet hat. Trotzdem bleiben Fragen, viele Fragen. Was wäre aus euch Dreien geworden, welcher Charakter, welche Augenfarbe, lockige oder glatte Haare? Ich hätte euch drei Seelen gern die Chance gegeben, unsere Welt kennenzulernen, aber irgendeine höhere Macht hat sich dagegen entschieden. Das einzige, was mich tröstet, ist, dass ihr in meinem Mutterleib gestorben seid,  geborgen und geschützt. Vielleicht habe ich in jenem tragischen Moment auch gerade meinen Bauch gestreichelt, so dass ihr, umgeben von ganz viel Mutterliebe, auf die andere Seite des Regenbogens gewechselt sind.

Liebe Raupe, du wärst sicher eine tolle grosse Schwester von deinen beiden irdischen Brüdern. Bitte pass weiterhin so gut auf die beiden auf! Ich denke heute ganz besonders an dich, ein paar Tränchen sind auch schon geflossen.

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Wie aus Peter Jonas wurde

Wir schreiben den 06.10.16, ziemlich früh am Morgen. Ich starre gefrustet auf meinen dicken Bauch, heute ist 39+6 und es tut sich nichts. Ich merke wie ich schlechte Laune bekomme. Ich setze bei WP einen Frustpost ab, obwohl das gar nicht meine Art ist herumzujammern. Ich bringe schnell (naja semischnell) den Junior in die Krippe und bin pünktlich zum Akupunkturtermin wieder zuhause. „O weh, du willst nicht mehr“, sagt meine Hebamme und verspricht mir alle Wehenpunkte zu triggern, die es gibt. Nach der Akupunktur bin ich motivationlos, ich koche mir erst um 13 Uhr etwas zu essen und würge es herunter. Meine sonst so liebgewonnene Mittagsstunde fällt aus. Um 14:30 hole ich meinen Junior aus der Krippe, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit fahren wir gleich nach Hause anstatt noch ein Pläuschen mit den anderen Krippenmuttis zu halten. Ich kredenze Junior einen Apfel, danach möchte er sein großes Geschäft auf der Toilette verrichten. Wir schreiben 15:33 Uhr. Während der Po-Putz-Aktion macht es auf einmal „Plopp“ und es läuft läuft läuft aus mir raus. Junior amüsiert sich königlich, dass Mama einfach den Boden pischert, während ich versuche cool zu bleiben. Männle auf der Arbeit angerufen: „Kann ich noch ne halbe Stunde arbeiten, ich bin gerade in der Übergabe wegen der Elternzeit?“ Äh nein, du kommst jetzt bitte…

Ich rufe meine Eltern an, dass sie bitte Junior abholen. Mein Vater: „Ich war gerade im Garten und habe die Seerose herausgeholt, ich muss erst duschen“. Ich: nix da, duschen kannst du heute Abend.

Zuhause läuft es munter aus mir heraus, der Frauenarzt hatte mir ja eine Menge Fruchtwasser prophezeit. Mir gehen die Handtücher aus, ich horche immer wieder in mich hinein, ob ich Wehen spüre. Aber nein, nichts. Ich vertreibe mir die Zeit bis zum Eintreffen von Mann und Eltern mit Buch lesen zusammen mit Junior. Wir schreiben 16:30, ich bemerke die ersten Wehen. Zeitgleich treffen Mann und Eltern ein, Junior freut sich wie Bolle, dass er zu Oma/Opa fahren darf. Ich hänge derzeit schon überm Stuhl und muss Wehen veratmen. Um 17 Uhr brechen wir Richtung Klinik auf, jede Bodenwelle ist ein Horror für mich. Mitleidige Blicke begleiten mich vom Parkplatz zum Kreissaal. „Oh, das sieht nach Wehen aus, „begrüßt mich die Hebamme Birgit. Flugs geht’s ab ans CTG, Zugang gelegt, Blut abgenommen. Die Wehen kommen nun sehr regelmäßig und stark, mein Muttermund ist bei 4 cm. Ich verweise stolz auf mein ausgefüllten Aufklärungsbogen für die PDA, Birgit lächelt „na, bei 4 cm bekommst du noch keine PDA, du bekommst jetzt zwei Zäpfchen und dann beziehst du dein Zimmer auf der Station. In zwei Stunden sehen wir uns wieder“. Wir schreiben 18.10 Uhr. Ich werde zu einer frischgebackenen Mama ins Zimmer gesteckt, ich veratme die Wehen am Bett, während ihr Besuch hinter mir durchs Zimmer tobt. Die Krankenschwester beäugt mich kritisch „also die Wehen kommen jetzt ganz schön flott, gehen Sie ruhig wieder in den Kreissaal.“ Der Weg zum Kreissaal…ein Horror, ich habe das Gefühl, dass ich brechen muss. Um 19 Uhr sind wir dann wieder dort, Birgit schleust mich sofort ins erste Zimmer, ich krächze PDA PDA PDA. Birgit ruft das Narkoseteam an und bugsiert mich aufs Kreissaalbett…und dann Muttermund bei 9 cm. Sie sagt: PDA geht nicht mehr. Ich starre sie hasserfüllt an und bettel wie ein Hund um eine PDA. Nix, keine Chance „du wirst dein Baby innerhalb der nächsten halben Stunde im Arm halten“. Ich hänge im Vierfüßler im Bett, eine Wehe jagt die nächste. „Dein Muttermund ist vollständig offen, du darfst pressen“. Ich bemerke ein furchtbares Brennen, mein Unterleib scheint auseinanderzufallen. Dann soll ich bei der nächsten Wehe hecheln, furchtbar, ich möchte nur diesen Druck loswerden. Dann folgen zwei Presswehen und Jonas kommt um 19:31 zur Welt. Ich gucke ihn mir nur kurz an und breche dann kraftlos in mich zusammen. Ich muss leider genäht werden und verliere auch viel Blut, aber nach 20 Minuten halte ich ihn im Arm und Jonas sucht gleich meine Brust und fängt wie ein Vollprofi an zu saugen.

Mein Mann sagt, dass ich animalisch geschrien habe, er habe fast ein wenig Angst bekommen. Für mich steht jedenfalls fest, dass ich kein drittes Kind in die Welt setzen werde…nur über meine Gebärmutter.

So, das war nun mein Geburtsbericht, ich bin immer noch geflasht, dass ich innerhalb von 4 Stunden ein Kind zur Welt gebracht habe, mein Kind, unsere Ergänzung zu unserem Glückskleeblatt.

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Peter wollte doch

Anscheinend hat mein gestriger Post gewirkt. Jonas ist da, in einer sehr rasanten Geburt (Blasensprung 15:33, Geburt 19:31)

Länge 54 cm, Gewicht 4210 gr, Kopfumfang 37 cm.

Ich bin hochgradig verliebt❤

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Komm raus Komm raus Komm raus

Nachtrag: Blasensprung

Peter will nicht. Seit 37+3 prognostiziert meine Frauenärztin, dass Peter sich bald auf den Weg macht. Und? Nüscht…Ich sitze hier auf heißen Kohlen, muss Junior besänftigen, der endlich mit seinem kleinen Bruder spielen (haha) will, Oma ruft dauernd aus nichtigen Anlässen an, um den Status Quo zu erfahren, im Supermarkt ereilen mich mitleidige Blicke in Anbetracht meiner Kugel und meines Watschelgangs, ich habe noch nie so viele Whatsapps bekommen, kurz: meine Laune könnte nicht besser sein.

Ich trinke brav mein Himbeerblättertee und bekomme meine Peter-Rausschmeiß-Akupunktur. Gestern habe ich geputzt, aber außer Muskelkater im Hintern ist nichts passiert.

Morgen ist ET und ich muss dann ins Krankenhaus, weil aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetes geschaut wird, ob eine Übertragung zu vertreten ist. 

Ach, das ist jetzt ein Blogbeitrag der Sorte „total sinnlos“, aber egal…ich bin grad hormongesteuert und will mich einfach nur wieder in meinem Bett ohne Probleme von links nach rechts und umgekehrt drehen können, Schokolade essen, wieder einen sexy Catwalk-Gang haben und meine T Shirts nicht bei jeder Mahlzeit vollkleckern. So, und jetzt höre ich auf und harre weiter der Dinge, die da kommen mögen.

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