Award Award

Liebe Tina, 

Gern beantworte ich deine Fragen. Ich hoffe, dass viele deine Fragen beantworten, schließlich ist ein steiniger Kinderwunschweg immer noch ein Tabu Thema.

Wirst Du Deinen Kinderwunsch-Blog weiterführen? Und könnte es jemals ein ‚normaler‘ Mami-Blog werden?

Ich muss ja gestehen, dass ich sowieso eher sporadisch Blogbeiträge verfasse. Ich habe meinen Blog nie als reinen Kinderwunsch Blog gesehen, eher so ein Misch Masch aus Kinderwunsch, Mama Dasein und alltägliches.

2 Glaubst Du, dass Ex-Kinderwunscheltern ihre Kinder besonders lieben?

Die Frage habe ich mir oft gestellt.  Es ist ja so: die Eltern, die einen steinigen Weg zu einem Kind gehabt haben, müssten ihr Kid ja viel mehr lieben, weil es ihnen eben nicht so einfach in die Hände gefallen ist. Ich muss sagen, nein, ich sehe da keinen Unterschied zu „normalen“ Eltern. Auch ich werde an meine Grenze der Geduld gebracht, wenn mein Junior aufgrund seiner Trotzphase mich in den Wahnsinn treibt. Aber was ich auf jeden Fall geworden bin: dankbar und demütig.

3 … besonders besorgte Eltern sind?

Wir waren es bei unserem Junior. Der ist unter einer absoluten Käseglocke aufgewachsen, bloß keine Schramme oder Beule an das Kind. Die Ermahnung „Pass auf!“ war unser regelmässiger Wegbegleiter. Auch mit dem Abgeben an die Eltern/Schwiegereltern haben wir uns sehr schwer getan. Erst, als er mit einem Jahr in die Krippe kam, wurde es besser. Und das war absolut gut und heilsam für uns, aber speziell für Junior. Bei unserem zweiten Kind sind wir wesentlich entspannter.

4 … sich in irgendeiner anderen Weise von anderen Eltern unterscheiden?

Ich glaube, wir sind sensibler. Meine Arbeitskollegin z.B.,  seit 5 Jahren mit ihrem Mann verheiratet und noch keine Kinder. Der Kollegenkreis stellt schon Wetten, wann sie denn wohl mal loslegt. Ich habe mich da immer zurückgehalten, vielleicht hat sie ja auch einen steinigen Kinderwunschweg???

5 Ist der Schmerz über den unerfüllten Kinderwunsch noch da? Und wenn ja, wie hat er sich verändert?

Schmerzlich ist es „nur“ noch zu den gefährlichen Daten wie Entbindungstag, der Tag, an denen kein Herzschlag mehr festgestellt wurde. An solchen Tagen fliessen dann doch noch ein paar Tränen. Ansonsten ist es eher tief drinnen, ein dumpfes Pochen und die Erkenntnis, dass man eigentlich schon 5fach Mami wäre. Aber die Fragen, warum die 3 Seelen nicht zu mir wollten/konnten, die bleiben…

6 Hast Du Dich durch die Kinderwunschzeit verändert? Eher zum Guten oder eher zum Schlechten?

Puh, ich war vor dem Kinderwunschweg ein lebensfroher Mensch, gut gelaunt, immer ein Lächeln auf den Lippen. Das Leben konnte mir nichts anhaben. Nach der ersten Fehlgeburt in 2010 hat sich das radikal geändert. Ich bin ernsthafter, sensibler und weinerlicher geworden. Dinge, die mir nun im Alltag passieren, werfen mich schneller aus der Bahn. Aber keine Angst: ich lache immer noch gern und viel.

7 Was hättest Du mit Deinem Leben getan, wenn Du am Ende kein Kind bekommen hättest?

Wir haben tatsächlich nach der 3. FG einen Plan B aufgesetzt. Da wir beide passionierte Reiter sind, hätten wir einen Resthof gekauft und hätten eine Pferdepension eröffnet.  

8 Hast Du Freundschaften durch die Kinderwunschzeit verloren?

Ja, einige…Für viele war es unverständlich, dass man so intensiv um ein Kind trauern kann, was noch nie das Licht der Welt erblickt hat.

9 Gibt es etwas, das Dich am Umgang mit dem unerfüllten Kinderwunsch immer noch nervt, obwohl es Dich nicht mehr betrifft?

Es sind diese Phrasen und gut gemeinten Ratschläge ala „nun entspannt euch doch mal“, „fahrt mal in den Urlaub“ und total blöd „ihr seid noch jung“

10 [Achtung: Rhetorische Frage] Hat sich der Weg gelohnt?

Ja, definitiv. Auch wenn 2010 bis 2013 mit viel Traurigkeit überschattet war, die Geburt meines Juniors in 2014 und meines little Juniors vor 12 Wochen haben alles wettgemacht. 

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4 Antworten zu Award Award

  1. Sternchen schreibt:

    Man spürt durch welchen Schmerz Du gegangen bist. Ich glaube, das ist Müttern, die ihre Kinder „einfach so“ bekommen gar nicht so klar. Bei mir war es auch nicht so einfach, aber nicht vergleichbar!

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  2. Tina Wünsche schreibt:

    Danke, liebe Julmum. Ein Reiterhof klingt auch gut. Aber so ist es doch schöner 😊

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  3. lenimo schreibt:

    Danke für deine Worte und dass du uns an eurem Weg und den Gefühlen teilhaben lässt. Unser Weg war auch lang, sehr lang. Und ein jahrelanger unerfüllter Kinderwunsch verändert einen. Man wird geduldiger (notgedrungen), aber auch dankbarer – zumindest ging es mir so. Und ich glaube, dass ich mein Leben mit meiner Tochter nun viel bewusster warhnehme und genieße, als wenn es „einfach so“, ganz schnell geklappt hätte.
    Dir und deiner Familie alles Liebe und Gute! Ich hoffe, wir dürfen Wunder Nummer zwei auch irgendwann bei uns begrüßen 🙂
    Liebe Grüße
    Martina

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  4. marylou2101 schreibt:

    Du sprichst einem aus der Seele. Ich erkenne mich in vielen Antworten wieder. Wir hatten keinen Plan B, aber hätten wir eine dritte Fehlgeburt gehabt, dann wäre das für mich persönlich wohl das Ende meiner Kinderwunschzeit gewesen. Auch heute noch, 5 Monate nach der Geburt unseres Sonnenscheins weiss ich nicht ob ich die nervlichen Strapazen, die Angst und den Stress einer erneuten Schwangerschaft noch mal erleben möchte und kann. Mein Herzmann hätte gerne noch ein zweites Kind, vergisst aber dabei, dass vor allem ich eine erneute Schwangerschaft erst einmal durchstehen muss.
    Alles Gute für Euch 🙂

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